LOD beantwortet die Frage: Wie sehr kann ich diesem Modell vertrauen — und wofür darf ich es nutzen?
Die Stufen schaffen eine gemeinsame Sprache für Architekten, Tragwerksplaner, BIM-Koordinatoren und Bauherren.
Gerade im Scan-to-BIM ist die vereinbarte LOD entscheidend für Aufwand, Nutzen und Übergabe.
LOD 100Konzept
LOD 200Entwurf
LOD 300Koordination
LOD 400Fertigung
LOD 500As-Built
Was ist BIM LOD (Level of Development)?
LOD steht für Level of Development — den Entwicklungsstand eines Modellelements.
Es beschreibt, wie zuverlässig Geometrie, Attribute und weitere Daten sind und welche Entscheidungen
darauf aufbauen dürfen.
Wichtig: LOD ist nicht nur visuelle Detailfülle. Ein Element kann grafisch aufwendig wirken,
aber unzuverlässige Daten tragen — oder umgekehrt. LOD betrachtet Geometrie und Informationsgehalt gemeinsam
und legt fest, wofür das Element geeignet ist: Machbarkeit, Dokumentation, Koordination, Fertigung oder Betrieb.
Das Konzept wurde 2008 vom American Institute of Architects (AIA) formalisiert und später durch die
BIMForum LOD Specification praxisnah ausgearbeitet. In Verträgen, BIM-Abwicklungsplänen (BEP) und Ausschreibungen
ist LOD heute ein zentrales Instrument, um Scope-Konflikte zu vermeiden.
Feldverifizierte Geometrie des tatsächlichen Bestands
Facility Management, Digital Twin, Umbauten
Stufe 01
LOD 100 — Konzept / Massing
Elemente erscheinen als annähernde Massen mit groben Angaben zu Größe, Höhe, Volumen und Lage.
Sie vermitteln Entwurfsabsicht und räumliche Zusammenhänge — noch keine spezifischen Bauteile.
LOD 100 eignet sich für Machbarkeitsstudien, Standortanalysen, Größenordnungsschätzungen und frühe Programmplanung.
Für Koordination oder Ausführungsunterlagen ist diese Stufe nicht geeignet.
Massenstudien und Konzeptvolumen
Grobe Raum- und Standortanordnung
Go/No-Go-Entscheidungen auf Konzeptebene
Stufe 02
LOD 200 — Schematischer Entwurf
Elemente stehen für generische Systeme und Bauteile mit ungefähren Mengen, Maßen, Formen und Positionen.
Die Geometrie ist richtungweisend, aber noch nicht präzise genug für belastbare Koordination oder Dokumentation.
LOD 200 unterstützt frühe Entwurfsentscheidungen, grobe Raumkonflikte, schematische Grundrisse und
verlässlichere Kostenschätzungen als LOD 100 — bei weiterhin flexiblen Änderungen.
Generische Bauteile und Systeme
Frühe räumliche Abstimmungen
Entwurfsflexibilität bei steigender Aussagekraft
Stufe 03
LOD 300 — Detaillierter Entwurf & Koordination
Ab LOD 300 kann das Modell verlässig für Dokumentation und Koordination genutzt werden:
präzise Abmessungen, Form, Position und Orientierung. Daraus entstehen Ausführungsunterlagen,
Genehmigungsunterlagen und erste Clash-Checks zwischen Gewerken.
In vielen Projekten ist LOD 300 die Mindeststufe für Planungsdokumentation.
Grenze: Verbindungen, Freiräume und Einbauhilfen zwischen Systemen sind noch nicht vollständig abgebildet.
Deshalb können Freiraum- und Montagekonflikte übersehen werden — hier setzt LOD 350 an.
Belastbare Geometrie für Pläne und Mengen
Koordination und grundlegende Kollisionsprüfung
Häufige Scan-to-BIM-Zielstufe für Bestand und Umbau
Zwischenstufe
LOD 350 — Schnittstellen & Gewerkekoordination
LOD 350 ergänzt LOD 300 um Verbindungen, Schnittstellen und Unterstützungen zu angrenzenden Systemen —
z. B. Aufhängungen, Durchführungen, Dämmmäntel, Wartungsfreiräume. So werden nicht nur harte Kollisionen,
sondern auch Freiraum- und Einbaukonflikte sichtbar.
Für MEP-intensive oder eng verzahnte Projekte ist LOD 350 oft die entscheidende Stufe vor Vergabe und Montage.
In der Übersichtsgrafik oben ist LOD 350 nicht als eigene Fassadenstufe dargestellt; in der Praxis steht sie
zwischen Koordinations- und Fertigungstiefe.
LOD 300
LOD 350
Geometrie
korrekt in Größe, Form, Lage
LOD 300 + Schnittstellen / Freiräume
Verbindungen modelliert?
nein
ja (Konsolen, Aufhängungen, Hülsen …)
Clash-Detection
teilweise (große Kollisionen)
inkl. Freiraum- und Zugangskonflikte
Shop Drawings
meist unzureichend
oft ausreichend als Grundlage
Stufe 04
LOD 400 — Fertigung & Montage
LOD 400 unterstützt Herstellung, Vorfertigung und Montage: präzise Maße, Baugruppen,
Anschlussdetails und Einbauinformationen — so detailliert, dass Bauteile daraus gefertigt werden können.
Typisch erstellen Fachunternehmer oder Fertiger diese Modelle. Zu früh modelliert (noch in der Entwurfsphase)
führt jede Planungsänderung zu teuren Nacharbeiten an fertigungsnahen Details.
Im Scan-to-BIM-Kontext entspricht das z. B. einem fertigungstauglichen Fachwerk mit Verbindungen.
Werkstatt- und Fertigungsplanung
Vorfertigung / Offsite
Erst sinnvoll, wenn Geometrie und Beschaffung stabil sind
Stufe 05
LOD 500 — As-Built & Betrieb
LOD 500 ist der verifizierte Bestand: tatsächliche Maße, Materialien und Systemzustände nach Bau oder Aufnahme —
keine Annahmen, sondern feldgeprüfte Realität. Häufig entsteht das durch Abgleich Plan/Modell mit dem gebauten Zustand
oder direkt über Scan-to-BIM.
Für Eigentümer und Facility Management ist LOD 500 besonders wertvoll: Betrieb, Wartung, Umbauten und Asset-Management
brauchen ein Modell, das dem echten Gebäude entspricht. Nicht jedes Projekt braucht LOD 500 — die Entscheidung gehört in den BEP.
Wichtig: Nicht alle Elemente müssen dieselbe Stufe haben. Tragwerk kann weiter sein als Ausbau.
Klar vereinbarte Anforderungen im BIM-Abwicklungsplan (BEP) verhindern Übermodellierung und Missverständnisse.
Häufige Missverständnisse
Level of Detail ≠ Level of Development.
„Detail“ meint oft nur die grafische Auflösung; „Development“ meint die Verlässlichkeit der Information.
Ein Element kann optisch reich und dennoch für Koordination oder Fertigung ungeeignet sein.
LOD 500 ist nicht immer Pflicht.
Für komplexe, langlebige Gebäude (z. B. Kliniken, große Bestandsobjekte) lohnt sich der Aufwand oft —
für kleinere Vorhaben ohne Betriebsführung kann eine niedrigere Stufe ausreichen.